TAUFE DAMALS, HEUTE UND IN GETHSEMANE, Teil II
Die Taufhandlung
Dem übereinstimmenden Verständnis aller großen christlichen Kirchen nach gibt es nur eine Taufe im Leben eines Menschen. Getauft werden können sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene. In der Evangelisch-Lutherischen Kirche ist es üblich, Kinder bereits in den ersten Lebensjahren zu taufen. Vor 2000 Jahren, in der Anfangszeit der Kirche, wurde durch Untertauchen des Täuflings getauft. Darauf verweist auch noch die Herkunft des Wortes ?taufen?, das soviel wie ?untertauchen? bedeutet. So wurde besonders gut deutlich, dass der Täufling auf den Tod und die Auferstehung Jesu getauft wird. Der ?aus der Taufe gezogene? wird als neuer Mensch, der mit Gott versöhnt ist, verstanden. Vor allem für Kleinkinder war diese Form der Taufe jedoch nicht ungefährlich: Berichte über Todesfälle bei der Taufe durch Untertauchen sind überliefert Wahrscheinlich wurde auch deshalb bereits im frühen Mittelalter in Mitteleuropa meist auf das Untertauchen des Täuflings verzichtet und statt dessen durch Übergießen des Kopfes getauft. Die orthodoxe Kirche hält bis heute an der alten Form der Taufe fest, auch viele Freikirchen sind zu der ursprünglichen Form der Taufe durch Untertauchen zurückgekehrt. In der evangelischen Kirche, bei uns in Gethsemane, wird getauft, indem der Täufer den Täufling mit seinem Namen anspricht, seinen Kopf dreimal mit Wasser übergießt und dabei die verbindlich vorgegebenen Taufworte spricht: ?Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes?. Da diese so genannte ?Taufformel? aus dem Griechischen übersetzt wurde, sind auch die Formulierungen ?...in den Namen des Vaters.....? oder ?...auf den Namen des Vaters.....? möglich.
Das Taufwasser
Nach evangelischem Verständnis ist Taufwasser für die Taufe unverzichtbar. Eine besondere ?Weihe? des Taufwassers kennt die Bibel jedoch nicht. Auch Jesus wurde schlicht mit Flusswasser getauft. In der Tradition hat sich eingebürgert, eher fließendes Wasser zu bevorzugen und kein Taufwasser aus stehenden Brunnen oder Zisternen zu verwenden. Meist wird mit Trinkwasser getauft, da so auch eine gesundheitliche Gefährdung insbesondere von Kleinkindern ausgeschlossen werden kann.
Das Taufkleid
Das weiße Taufkleid ist ein sichtbares Zeichen für die Verbindung des Täuflings mit Christus. Wir ziehen ?Christus an? (Galaterbrief, Kapitel 3) hat der Apostel Paulus geschrieben. Wo eine Familie ein Taufkleid besitzt, ist es ein schöner Brauch, dieses weiter zu verwenden und dem Taufkind zum Gottesdienst anzuziehen. Vorschriften, wie ein Täufling gekleidet sein soll, gibt es jedoch nicht. Wir taufen Menschen, keine Kleider!
Die Taufkerze
In der katholischen Kirche sind Taufkerzen ein wichtiger Bestandteil des Taufritus. In der evangelischen Kirche ist das Anzünden einer Taufkerze seit ungefähr 25 Jahren modern geworden. Die Taufkerze soll an Jesus Christus, ?das Licht der Welt?, erinnern. Die Taufkerze kann im Leben des Täuflings z.B. an Geburtstagen oder am Tag der Konfirmation zur Tauferinnerung angezündet werden. In der ethsemanegemeinde übernehmen meist die Taufpaten die Aufgabe, eine Taufkerze zu erwerben oder selbst zu dekorieren. Auch unmittelbar vor der Taufe können einfache Taufkerzen zum Selbstkostenpreis von der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden. Selbstverständlich kann auch ohne Taufkerze getauft werden. Manche evangelische Christen, insbesondere aus der Evangelisch-Reformierten Kirche, lehnen Taufkerzen ab, da von ihnen in der Bibel nicht die Rede ist und sie von der eigentlichen Taufhandlung ablenken können.
Fotografieren der Taufe?
Fotografieren ist in der Kirche grundsätzlich nicht erlaubt, wird aber oftmals geduldet. Sakramentshandlungen, d.h. die Taufhandlung selbst, dürfen nicht fotografiert werden, da hierbei das Fotografieren sehr stören würde. Die genaue Regelung sollte mit dem Pfarrer bzw. der Pfarrerin, die die Taufe vornimmt, abgesprochen werden. Selbstverständlich soll ein Täufling jedoch Erinnerungsbilder haben. Wir empfehlen deshalb, im Anschluss an den Gottesdienst Fotos in der Kirche und am Taufstein zu machen.
Mitwirkung im Gottesdienst
Die Bezeichnung des Täuflings mit einem Kreuzzeichen auf der Stirn soll zeigen, dass der Täufling ?zu Jesus Christus? gehört. Wenn Eltern zu dieser ?Kreuzesbezeichnung? ihr Kind in der Gethsemanekirche zum silbernen Standkreuz bringen wird sichtbar, dass sie die Aufgabe übernehmen, das Kind zu Christus hinzuführen. Eine Mitwirkung der Eltern und Paten bei der Taufe ist deshalb sehr wichtig. Auch im Gottesdienst können Eltern und Paten mitwirken. Sie können z.B. den Taufspruch aussuchen, sich Lieder wünschen, das Taufevangelium lesen, das Taufwasser eingießen und die Fürbitten für das Kind vortragen. Die Mitwirkung der Eltern und Paten im Gottesdienst zeigt auch, dass wir nach evangelischem Verständnis alle Priester sind und den Auftrag miteinander teilen, den Jesus uns gegeben hat: ?Gehet hin in alle Welt und gewinnt Jünger aus allen Völkern. Taufet sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie zu halten, alles, was ich euch geboten habe....?
Jörg Breu