GOTTESDIENST - FEIER DES GLAUBENS
In unserem Leben feiern wir viele Feste, z.B. bei Geburtstagen, Hochzeiten, Taufen, zu allen möglichen Anlässen. Bei solchen Feiern kehren bestimmte Elemente immer wieder: Es werden Gäste eingeladen, der Gastgeber begrüßt sie, die Gäste überreichen Geschenke, alle setzen sich an einen Tisch, erheben das Glas und stoßen miteinander an, Reden werden gehalten, Beifall wird geklatscht, es wird gegessen und sich unterhalten, Musik gehört und getanzt. Feste werden in der Regel sorgfältig vorbereitet und gestaltet. Sie unterbrechen meinen Alltag. Wenn ein Fest gelingt, dann ist nicht nur der Gastgeber zufrieden, auch die Gäste gehen erfüllt nach Hause. Warum ist das so? Warum macht Feiern soviel Spaß? Weil ein Fest mehr ist als das fröhliche Beisammensein mit gutem Essen und Trinken. Beim Feiern wird unsere Geschichte lebendig: Warum feiern wir, was ist der Anlass und was hat das Ganze mit mir zu tun? Beim Feiern kann mir also klar werden, dass ich eingebettet bin in die Geschichte der Menschen vor mir, der Menschen mit mir und der Menschen nach mir. Genauso ist es beim Gottesdienst. Er bietet einen Rahmen, in dem wir erfahren können, wer wir sind, woher wir kommen, wozu wir auf dieser Erde leben. Oder anders ausgedrückt: Es berühren sich im Gottesdienst Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Auch der Gottesdienst ist eine Unterbrechung unseres Alltags. Bei uns in Gethsemane wird das schon durch den Kirchenbau deutlich: wenn wir unter dem Glockenturm hindurch gehen, dann lassen wir den Alltag sichtbar hinter uns und richten unseren Blick auf die Schöpfung, die Natur um die Kirche herum und auf Gott. Verbunden sind wir im Gottesdienst mit den allerersten Christen. Sie feierten ihre Gottesdienste in Privathäusern. Es gründeten sich Hausgemeinden. Wichtig war hier neben dem Singen, Beten, Lesen und Erzählen aus den Heiligen Schriften, dass man miteinander Abendmahl feierte. Solche Versammlungen geschahen immer am Tag des Herrn, am so genannten Auferstehungstag Jesu. Somit ist seit jeher jeder Sonntag mit seiner gottesdienstlichen Versammlung die Feier eines kleinen Osterfestes. Verbunden sind wir im Gottesdienst aber auch mit den christlichen Gemeinden in aller Welt. Sie feiern in ihren Sprachen, mit ihren Liedern, Gebeten und Ausdrucksformen Gottesdienst. Wie verschieden die Feier auch gestaltet wird: der Gottesdienst verbindet die weltweite Christenheit und ist Zeichen der Ökumene. Er ist Ausdruck und Erfahrung der Gemeinschaft, zu der uns Gott verbindet. Zugleich kommen wir als einzelne. Ganz verschieden ist, was wir mitbringen, aufnehmen und mitnehmen. Als einzelne werden wir inmitten der Gemeinschaft angesprochen, begegnen einander und kommen zu uns selbst. Verbunden sind wir in der Feier des Gottesdienstes mit Gott. Er ist der Gastgeber, er lädt uns ein. Deswegen beginnen wir jeden Gottesdienst "Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes". Gott selbst begegnet uns im Gottesdienst - in menschlichen Worten und Zeichen. Was wir erleben, hören und sehen, weist über das Sichtbare hinaus. Und sein Sohn Jesus verspricht: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" (Matthäus 18,20). Was Jesus damals tat, geschieht auch heute im Gottesdienst: einladen und ermutigen, trösten und heilen, zurechtweisen und fordern. Menschliches Leben mit allen Licht- und Schattenseiten hat hier seinen Platz und kommt vor Gott zur Sprache. Gottesdienst wird in der Gethsemanekirche in verschiedenen Formen gefeiert: als Hauptgottesdienst, als Kindergottesdienst und immer wieder auch als Familiengottesdienst. Auch an Wendepunkten des Lebens wie Trauungen, Taufen, Konfirmationen und Bestattungen werden Gottesdienste gefeiert. In allen Gottesdiensten kann man eine feste Grundstruktur wieder erkennen, die ganz unterschiedlich inhaltlich gefüllt wird. Die Grundstruktur gliedert sich in vier Teile (nach EG S. 1122):
1. Eröffnung und Anrufung:
Wir beginnen gemeinsam, treten neu in Beziehung zu Gott, wir bedenken unsere eigene Situation: wie stehen wir vor Gott? Wir öffnen uns Gott und richten uns auf ihn aus in Klage, Lied und Gebet.
2. Verkündigung und Bekenntnis:
Wir hören auf das Wort der Bibel und seine Auslegung, wir denken darüber nach und bekennen unseren Glauben. Hier hört und antwortet die Gemeinde im steten Wechsel - wie in einem Gespräch.
3. Abendmahl:
In Brot und Wein feiern wir Gemeinschaft mit Jesus Christus und allen Glaubenden. Christus lädt dazu ein, die Gemeinde versammelt sich um seinen Tisch.
4. Sendung und Segen:
Am Ende des Gottesdienstes richten wir unseren Blick auf die Gemeinde und die weltweite Christenheit. Wir informieren uns über das Gemeindeleben, beten für uns und andere, die Gottes Hilfe brauchen, für Gemeindeglieder, die an einem Wendepunkt ihres Lebens stehen (Taufe, Trauung oder Beerdigung) und empfangen den Segen Gottes. Doch ein Gottesdienst, die Feier unseres Glaubens, endet nicht, wenn ich aus der Kirche hinaustrete. So wie auch ein gelungenes Fest zu einem bestimmten Anlass noch lange in meinem Herzen und in meinen Gedanken nachklingen und mich beflügeln kann, wirkt auch der Gottesdienst in meinen Alltag hinein: bei jedem und jeder unterschiedlich. Vielleicht entdeckt der eine in der erlebten Gemeinschaft eine tragende Basis, vielleicht sinnt ein anderer über die Predigt nach und erkennt darin Impulse für sein Leben, vielleicht nimmt ein anderer den Segen als Stärkung in einer schwierigen Situation mit nach Hause. Oftmals ist es auch die Musik als ein wesentliches und unverzichtbares Moment unseres Gottesdienstes, das uns beschwingt zurück in den Alltag gehen lässt, denn Singen verbindet Fühlen und Denken. Es befreit und entlastet. Wer mitsingt, stimmt aktiv mit ein in das Lob Gottes, zu Ehren dessen, der uns einlädt. Sonntag für Sonntag zu seinem Fest des Glaubens.
Kirsten Oldenburg