ABENDMAHL - GUTES FÜR LEIB UND SEELE

Wenn Menschen Jesus begegnet sind, dann saßen sie oft mit ihm beim Essen um einen Tisch zusammen. Oft hatte dieses gemeinsame Mahl mit Jesus auch eine heilsame Wirkung, nämlich dann, wenn jemand, der vorher ausgegrenzt war, wieder dazu gehörte, so wie der Zöllner Zachäus. Als Jesus wusste, dass er bald sterben würde, versammelte er seine Jünger noch einmal zu einem solchen gemeinsamen Essen - am Gründonnerstagabend, "in der Nacht, in der er verraten ward". Jesus brach bei diesem Essen das Brot nach jüdischer Sitte, er sprach ein Dankgebet und teilte das Brot aus. Dann nahm er den Becher mit Wein, dankte auch dafür und gab allen davon zu trinken. Dann sprach er: "Das sollt ihr auch tun, wenn ich nicht mehr mit euch am Tisch sitze. Mit dem Brot und dem Wein werde ich bei euch sein. Bleibt zusammen und esst so miteinander, dann bin ich euch nah." Das Abendmahl ist also Jesu Abschiedsgeschenk an uns Menschen. So, wie der irdische Jesus bei diesem Abschiedsmahl bei den Seinen war, so ist nach Ostern der Erhöhte bei uns, wenn wir das Abendmahl feiern. In den so genannten Einsetzungsworten beim Abendmahl hören wir in gesprochener oder gesungener Form immer wieder diesen Bericht von dem letzten Essen Jesu mit seinen Jüngern. "Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach`s und gab`s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset: das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus: Das ist mein Blut, des neuen Testamentes, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, sooft ihr`s trinket, zu meinem Gedächtnis." Was ist daran das Besondere? Warum ist das Abendmahl neben der Taufe das andere der beiden Sakramente unserer evangelischen Kirche? In den Evangelien kann man dies nachlesen: In der Nacht noch wird Jesus verraten werden von einem seiner Jünger, Judas. Petrus wird wenig später abstreiten, ihn überhaupt zu kennen. Alle werden weglaufen, wenn er am Kreuz stirbt. Und trotzdem hat Jesus mit allen gegessen und ihnen damit gezeigt: Ich bleibe mit euch verbunden, trotz allem, was ihr tut. In diesem Abschiedsgeschenk Jesu an uns Menschen zeigt sich, was das Kreuz bedeutet: "In seinem Tod am Kreuz nahm Jesus Christus die Zerrissenheit der Menschen auf sich selbst. So wurden sie frei von ihrer Schuld, versöhnt untereinander und mit Gott." Mit diesen Worten beschreibt es das Amt der VELKD (Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands) in seinem Merkblatt zum Abendmahl. Feiern wir in der Gethsemanekirche Abendmahl miteinander, dann feiern wir ein vierfaches Fest:

  • ein Fest des Gedenkens an das Leben, Leiden und Auferstehen Jesu.
  • ein Fest der Versöhnung, denn alles, was uns von Gott trennt wird überwunden.
  • ein Fest der Gemeinschaft, denn Jesus ist mitten unter uns und auch wir werden als Gemeinschaft aller Glaubenden um den Altar sichtbar.
  • ein Fest der Hoffnung, denn Gott hat mit uns einen neuen Bund geschlossen und wir freuen uns auf das große Festmahl in seinem Reich.

Brot und Wein erinnern somit nicht nur an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, an die Befreiung des alten Israel aus der Sklaverei. Brot und Wein werden für uns Christen zum Leib und Blut Christi. Sein Leben ist zwar am Kreuz zerbrochen, aber ihm wurde Leben von Gott neu geschenkt. Wir glauben deswegen, dass Jesus Christus lebt und in Brot und Wein jedem und jeder von uns begegnet. Deswegen ist das Abendmahl auch mehr als Erinnerung an Jesus. Im Abendmahl ist Jesus, der Allgegenwärtige, "in, mit und unter" Brot und Wein selbst anwesend. Dies bezeichnet Luther als Realpräsenz Jesu. Das "Wie" dieser Gegenwart Jesu Christi ist ein Geheimnis, das wir in seiner ganzen Bedeutungstiefe gar nicht mit dem Kopf erfassen können. Im Brot bekommen wir von Gott, was wir lebensnotwenig brauchen. Im Wein bekommen wir das Geschenk der Freiheit. Gott befreit uns durch Christus zu neuem Leben, einem Leben in Liebe und Gemeinschaft. Die Freude darüber wird in der Feier des Abendmahls lebendig. Ein Zeichen dafür ist der Friedensgruß, den wir uns weitergeben. Sie merken, dass die Bedeutung des Abendmahls viel größer ist als man mit Worten erklären kann. Deswegen sind Sie herzlich eingeladen, es selbst zu schmecken und zu spüren, mit Leib und Seele. Damit alle bei uns am ganzen Abendmahl teilnehmen können, wird in der Gethsemanekirche das Abendmahl mit Traubensaft gefeiert. Zur Familie Gottes gehören auch die getauften Kinder. Von Jesus selbst wird berichtet, dass er sprach: "Lasset die Kinder zu mir kommen" und sie herzte und segnete. In unserer Gemeinde ist es daher üblich, dass auch die getauften Kinder am Abendmahl teilnehmen und so spüren: sie gehören dazu. Auch kleine Kinder können schon verstehen, dass dieses heilige Mahl etwas Besonderes ist. Im Kindergottesdienst und im Konfirmandenunterricht können sie dann auch mit dem Kopf erfassen, was sie mit dem Herzen bereits erfahren haben. Eine weitere Besonderheit bei uns ist der verbreitete Brauch der sogenannten "Intinktio", des "Eintauchens" der Hostie in den Saft. Dabei behalten die Teilnehmenden die Hostie in der Hand und tauchen sie dann ca. zur Hälfte in den Saft ein. In der Gethsemanekirche feiern wir in der Regel einmal im Monat Abendmahl und an besonderen Festtagen wie Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag. Natürlich können Sie jederzeit einen Pfarrer / eine Pfarrerin ansprechen, wenn Sie das Abendmahl zu Hause im Kreise ihrer Familie oder am Krankenbett feiern möchten. Für den Wunsch nach Abendmahl kann es viele auch sehr persönliche Gründe geben: Sei es als Stärkung auf einem schweren Weg, sei es, weil man traurig ist oder weil man glücklich und dankbar ist.

Kommt herzu, denn es ist alles bereit.
Schmeckt und seht, wie freundlich Gott
zu uns ist!

Kirsten Oldenburg